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Wachsender Zustrom zur GPS

Weit über 200 Eltern, begleitet von ihren Kindern, strömten am Samstag, den 22. Oktober, auf den Hof der Gentiana Primary School. Es war der sogenannte „intake day“, der Tag für Neuaufnahmen von Schülerinnen und Schülern.
Wenn es um das Ergattern eines Platzes in der GPS geht, entwickeln die Mütter der künftigen Erstklässler eine beträchtliche Eloquenz. Aber nur 25 Kinder können in die erste Klasse aufgenommen werden; es ist bisweilen schwierig, den Eltern die Vorzüge kleiner Klassen zu erklären.
Aus dem Heer der Kleinen, die etwas verschüchtert zum Test antraten, blieben schliesslich 35 Namen. Allesamt sind es slow learners, wie die Interviews ergeben, und sie stammen aus ärmsten Verhältnisse – die Bedingungen für eine Aufnahme in die GPS sind somit erfüllt. Aber auch Armut kennt Nuancen. In den nächsten Wochen gehen unsere Lehrerinnen und Lehrer bei den Familien der künftigen Erstklässler vorbei und prüfen, ob die Kinder die sozialen Bedingungen erfüllen, oder etwas krasser gesagt, „arm genug“ sind, um in die GPS aufgenommen zu werden. Vorrang haben Waisen, Behinderte, Kinder von alleinerziehenden Müttern und Alkoholikerfamilien. Am Ende bleiben dann 25 Kinder, die am 4. Januar 2012 zur Schule marschieren.
Eher einfach war die Zuteilung der freien Plätze in den oberen Klassen; 78 Schülerinnen und Schüler traten an, 7 wurden aufgenommen.
Gut ein Dutzend Schülerinnen und Schüler hatten während des Schuljahres die GPS verlassen. Der kleine Exodus hat weniger mit der Schule als solche zu tun als vielmehr mit den wirtschaftlichen Verhältnissen, unter denen Kenia leidet. Am schnellsten und deutlichsten bekommen die Armen in den Slums und hier wiederum die alleinerziehenden Frauen die Notlage zu spüren. Sie können die Hausmieten nicht mehr bezahlen – 30 Franken für eine Blechhütte. So schicken sie ihre Kinder heim, meistens zu den Grosseltern auf dem Land, und versuchen, irgendwo anders und allein unterzukommen. Andere wiederum haben die Miete auf Monate hinaus nicht bezahlt – und verschwinden bei Nacht und Nebel und ziehen in einen anderen Slum. Dritte wiederum haben es geschafft, haben in einem anderen Stadtteil eine feste Arbeit gefunden und ziehen um.
Was das für die Kinder bedeutet, die aus der vertrauten Umgebung herausgerissen werden, können wir nur erahnen. Einige der GPS-Kinder bleiben hart – und wenn sie einen Schulweg von einer Stunde oder mehr in Kauf nehmen müssen, sie versuchen mit allen Mitteln, in der GPS zu bleiben.
„Für uns Lehrerinnen und Lehrer ist der intake day ein belastender Tag“, sagt Seriana Wakufwa, die Drittklasslehrerin. „Wir sehen so viele Kinder hoffnungsfroh kommen und enttäuscht weggehen, und vielleicht sind es genau jene, die es in der GPS geschafft hätten.“ Das schlägt auf das Gemüt, ist aber nicht zu ändern. 240 Kinder sind die Obergrenze.